Slava Seidel
» Free Balance «
Die Kunst Slava Seidels wird beherrscht von überwältigenden und dramatisch inszenierten Fantasiearchitekturen. Gemalt mit einer mit viel Wasser gemischten Sepiatinte ist Slava Seidels Malerei ebenso impulsiv wie glühend transparent. In ihren bizarren Architekturräumen verströmt sie eine beinahe explosive Dynamik, die den Betrachter in schwindelerregende, labyrinthisch verworrene Raumfluchten zieht. In der Verschachtelung verschiedener Rauman-sichten entwickelt der Raum immer wieder neue Seinsformen, in denen sich einzelne Gegen-stände verselbständigen und aus denen Tiere und Menschen auf unerklärliche Weise auf-tauchen und den Raum bevölkern. Eine verkehrte Welt, in der das Unmögliche möglich wird…

Free Balancer
Sepiatusche auf Leinwand │ 130 x 150 cm │ 2009
…So lösen sich Geparden, Hirsche und Hasen von der Wand eines festlichen Barocksaals, galoppieren ungebändigt im atemberaubenden Tempo durch den Bildraum und stürmen direkt auf den Betrachter zu; eine Armee aus Zinnsoldaten taucht sukzessiv aus dem gläsern erscheinenden Boden eines Marktplatzes auf und defiliert munter musizierend vor den Augen des Betrachters; ein kompli-ziert gebauter Dodekaederstern schwebt wie ein UFO aus einem Science-Fiction-Film über eine lange, mit einem weißen Tischtuch gedeckte Tafel…
Immer erscheint in der Malerei Slava Seidels alles wie in einem Traum oder einer Vision. Diese aus dem Unterbewussten genährten surrealen und illusionistischen Fantasien visualisiert die Künstlerin dabei durch einen virtuosen Umgang mit dem Raum und seinen perspektivischen Konstruktionen, deren Raumkomposition und dramatische Lichtregie an die »Carceri«-Folge des italienischen Barock-künstlers Giovanni Battista Piranesi (1720-1778) erinnert. In einem kühnen Spiel mit der Perspektive inszeniert Slava Seidel die Bildszene oftmals aus der Froschperspektive oder sie führt den Betrachter wie durch ein Fischaugenobjektiv ins Bild. Ihre Räume – wie Schlossbauten mit hohen Kuppel-gewölben, weite Theatersäle und Arenen – sind verzerrt. Mit starken Raumkrümmungen und mit in weite Ferne zielenden Raumfluchten zieht Slava Seidel den Blick in schwindelerregende Tiefe bzw. Höhe. Oftmals vertauscht sie oben und unten und staffelt verschiedene Raumansichten ineinander, so dass jegliche gewohnte Orientierung aufgelöst wird.
Slava Seidel materialisiert mit diesen künstlerischen Strategien eine virtuelle Bildwelt, in der Zeit und Raum eine absurde Verbindung eingehen, in der aber auch der frische und ironische Spielwitz der Künstlerin unverkennbar zu Tage tritt und den Betrachter immer wieder erneut mit ihren unkonven-tionellen Bildkonzepten überrascht.
Einladung zur Ausstellung 
Vernissage: Freitag, 13. Januar 2012, ab 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 13. Januar 2012 bis 17. Februar 2012
Presse:
Westfälische Nachrichten " Sie öffnet fantastische Räume " 12.01.2012
Münstersche Zeitung " Slava Seidels düster-schöne Fantasy-Welt " 13.01.2012
|